Professionelles Grillen: Traumjob oder Knochenarbeit?

Grillen macht Spaß und Gute Laune. Wer Grillen aber professionell betreibt merkt, dass der Traumjob eher zur Knochenarbeit wird.

Ein heißer Tag im Sommer, ein kaltes Bier im Schatten, Gartenidylle, der Rauch von Grillkohle in der Nase und Fleisch auf dem Grill. Wer lässt sich das nicht gerne gefallen? Was für Millionen Deutsche eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen ist, ist gleichzeitig einer der schwierigsten Jobs in der Gastronomie.

Auf den ersten Blick sollte man meinen, dass Stellenangebote mit dem Titel "Grillkoch" schneller vergriffen sind als das Kottelet auf dem Grill, doch wenige gastronomische Jobs haben einen so spezifischen Anspruch wie der des Grill-Meisters.

Wie oft grillen Sie im Winter? Wenn überhaupt jemand grillt, dann nicht annähernd so häufig wie im Sommer. Ja, ich weiß, ich bin hier eine Ausnahme. Das ist aber eine Selbstverständlichkeit in der Gastronomie, doch für den Grillkoch eine schwierige Hürde; Selbst die kreativsten Stellenangebote können Saisonarbeit nicht schönreden. Dies ist in Grill-Restaurants weniger problematisch als bei Köchen, die für Catering-Agenturen arbeiten, dennoch eine Schwierigkeit, welche es zu bedenken gibt.

Doch auch andere Widrigkeiten muss der geneigte Bewerber überwinden.
Anders als seine Kollegen kommt der Grillkoch zumeist völlig ohne Küchenhilfen aus, immerhin steht er ja alleine am Grill. Lediglich Salate oder Saucen werden für ihn vorbereitet.
Wenn er sich dann noch von jedem Hobby-Griller Tipps anhören darf, wie man dieses oder jenes noch besser machen kann, sind die Grenzen der Belastbarkeit schnell erreicht.
Anders als der Restaurantkoch kann sich der Profi-Griller vom Dienst jedoch nicht in der Küche "verstecken" und hat häufig direkten Kontakt mit den Gästen, denn egal ob auf Feiern oder in Grill-Restaurants, der Grill ist meistens sichtbar. Denn genau darum geht es beim Grillen in der Gastronomie. Das Erlebnis, direkt dem Zubereiten des Gerichts auf der Glut zuzusehen.

Dennoch darf der Profi-Griller keine Müdigkeit vorschützen, denn wer einen echten Grillkoch zu seiner Feier bucht, plant meistens ein längeres Gelage. Arbeitszeiten bis häufig tief in die Nacht sind keine Seltenheit. Es müssen auch sehr viele Portionen gleichzeitig fertig werden. Sei es bei der Vorspeise oder bei der Nachspeise vom Grill. Warmhalten ist streng verpönt. Alles muss so frisch wie möglich auf den Teller des Gasts.

Durch die zunehmenden Zahlen von Vegetariern muss der Grillkoch moderner denken als seine Kollegen in der Küche: vegetarische Gerichte gibt es schon lange, doch Tofu-Würste und Schnitzel-Ersatz auf dem Grill sind noch ein relatives Novum.
Er muss also bereit sein, auch nach der Ausbildung neue Rezepte zu lernen und diese nicht nur lecker, sondern auch optisch ansprechend auf den Teller bringen.

Wer also gezielt nach Stellenangeboten für Grill-Köche sucht, wird sicherlich mit offenen Armen empfangen, muss sich jedoch auf saisonale Beschränkung seines Jobs einstellen und neben viel Ausdauer auch häufig ein dickes Fell mitbringen.

All dies und viel mehr führt dazu, dass es anhand von Stellenangeboten sehr schwierig ist, einen Grillkoch zu finden.
Es gehört schon eine erhebliche Liebe zum gegrillten Fleisch dazu, über die Schwierigkeiten und Nachteile des Jobs hinwegzusehen und obgleich sich viele dieser Probleme mit denen eines Restaurant-Kochs überschneiden, hat der Profi-Griller noch eine Reihe eigener Hürden zu überwinden.

Dennoch lieben viele Helden des Grills ihren Beruf und würden nie das Rost gegen den Topf oder die Pfanne eintauschen.